Reden ist Silber, Schweigen ist Gold

In keinem Rechtsgebiet hat der Satz “Reden ist Silber, Schweigen ist Gold” so viel Bedeutung wie im Strafrecht.

Nichts torpediert eine erfolgreiche Strafverteidigung mehr, als wenn die Beschuldigten sich ohne vorherigen anwaltlichen Rat vor der Polizei oder Staatsanwaltschaft bereits eingelassen haben. Ein Beschuldigter hat immer das Recht zu schweigen. Vor der Polizei, vor der Staatsanwaltschaft und auch in der Hauptverhandlung. Er ist stets über dieses Recht zu belehren. Auch wenn er bereits vor Polizeibeamten ausgesagt hat, kann er selbstverständlich in der Hauptverhandlung wieder schweigen.

Aber seine Aussage vor der Polizei kann dann dennoch mittelbar in die Hauptverhandlung eingeführt werden. Über den sogenannten Zeugen vom Hören-Sagen. Dies bedeutet, dass der Polizeibeamte, welcher den Beschuldigten vernommen hat, in der Hauptverhandlung dem Gericht als Zeuge berichtet, was der Beschuldigte bei der Vernehmung ausgesagt hat.

Ein Richter wird dann in der Regel auch glauben, dass der Beschuldigte vor der Polizei wirklich so ausgesagt hat, wie es der Polizeibeamte schildert.

Nur wenige Aussagen von Beschuldigten vor der Polizei erweisen sich als günstig. Entweder belasten sich die Beschuldigten durch unbedachte Aussagen oder lügen, um sich zu entlasten. Letzteres jedoch häufig derart ungeschickt, dass es später herauskommt. Dadurch wird ihre Glaubwürdigkeit insgesamt belastet. Es gilt daher: „Reden ist Silber, schweigen ist Gold“.

Und selbst wenn der Beschuldigte sich einmal geschickt einlässt, ist dies häufig nicht förderlich für einen späteren Freispruch. Ab dem Moment der Aussage eines Beschuldigten vor der Polizei, ist das Protokoll seiner polizeilichen Aussage in der Verfahrensakte dokumentiert. Alle Verfahrensbeteiligten kennen seine Aussage bevor die Hauptverhandlung vor dem Gericht beginnt, insbesondere der Richter und der Staatsanwalt. Sie können sich Fangfragen überlegen, durch welche Widersprüche in der Aussage des Beschuldigten hervorgerufen werden können. Gelingt dies, könnte sich die Einlassung des Beschuldigten insgesamt als unglaubhaft darstellen. Daher ist es regelmäßig ratsam, dass die Beschuldigten sich erstmalig in der Hauptverhandlung einlassen. Dies gibt der Verteidigung häufig einen Überraschungsvorteil.

Natürlich gibt es Verfahren, bei welchen es sinnvoll ist, sich bereits vor der Hauptverhandlung einzulassen; teilweise auch zu einem sehr frühen Zeitpunkt. Dies sollte in einem Strafverfahren jedoch nie erfolgen, ohne vorher mit einem Strafverteidiger gesprochen zu haben.

Das Schweigerecht des Beschuldigten ist geregelt in § 136 Abs. 1 Satz 2 StPO.

Quelle: https://www.gesetze-im-internet.de/stpo/__136.html

Mehr zu Thema: https://ra-hammerich.de/wp-content/uploads/2021/02/Dr.Hammerich-StPO-1.Examen.pdf

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